Allianz Stiftungsforum Pariser Platz
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Am 23. September lud das Allianz Stiftungsforum zum 49. Pariser Platz der Kulturen mit der Schriftstellerin Juli Zeh ins Allianz Forum. Sie las aus ihrem kürzlich erschienen Roman „Unterleuten“, in dem sie wichtige Fragen unserer gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation thematisiert. Zum ursprünglich im Juli geplanten Veranstaltungstermin, der wegen Erkrankung der Autorin verschoben werden musste, hatten sich bereits sehr viele Gäste angemeldet, nun aber war das Allianz Forum an diesem spätsommerlichen Abend bis auf den letzten Platz ausgebucht.

Berlin, 23.09.2016
  Illustratives Bild
Mit dem renommierten Literaturexperten Thorsten Jantschek, Leiter der Ableitung Aktuelle Kultur und Politik beim Deutschlandradio, sprach Juli Zeh über die Kernthemen ihres Romans. Die Idee zu dem Buch entstand, als die gebürtige Bonnerin selbst mit ihrer Familie dem Stadtleben vor zehn Jahren den Rücken kehrte und aufs Land zog.
Gedankliche Vorlage des im Roman skizzierten Dorfs „Unterleuten“ lieferte der etwa eine Autostunde von Berlin in Brandenburg gelegene Wohnort Juli Zehs, auch wenn die Autorin immer wieder darauf hinwies, dass dessen Einwohner keineswegs Pate für die konkreten Figuren gestanden hätten. Im Gespräch mit Thorsten Jantschek drückte Juli Zeh, die sich auch gesellschaftspolitisch sehr engagiert, ihre Sorge darüber aus, dass die pauschale Politikverachtung einiger Teile der Bevölkerung irgendwann  unweigerlich zum Aufstieg anti-demokratischer Parteien führe.
Juli Zeh begeistere vor allem durch Witz und Charme ihre Zuhörer. So gelang es ihr zum einen, den interessierten Gästen einen spannenden Einblick in den Roman zu geben, der Lust auf mehr machte und zum anderen denen, die den Roman bereits gelesen haben, mit Anekdoten und Hintergrundgeschichten einen weiterführenden Zugang zu den Figuren des Romans zu ermöglichen.
Eine Kernaussage des Abends, die sicher im Gedächtnis bleiben wird, ist Juli Zehs Erkenntnis, dass eigentlich jeder Mensch von sich überzeugt sei, gut zu handeln, aber oft die Fähigkeit fehle, sich in die Perspektive des anderen zu versetzten. Das Böse sei für sie daher so etwas wie die „Kollision guter Absichten“, weshalb sie Goethes mephistophelische Erkenntnis ins Gegenteil verkehrte und sprach „von jener Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.“
Wieder einmal gelang es, den Gästen im Allianz Forum mit dem „49. Pariser Platz der Kulturen“ einen ausgewöhnlichen kulturellen Abend zu bieten und, wie die Gespräche beim Empfang nach der Veranstaltung zeigten, den gesellschaftlichen Diskurs über Zusammenhalt und Empathie in unserer Gesellschaft weiter anzustoßen.

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