Allianz Stiftungsforum Pariser Platz
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Am 25.04.2012 hat Karl Kardinal Lehmann vor vollem Hause die 6. Berliner Rede zur Freiheit im Allianz Forum am Pariser Platz gehalten. Lesen Sie dazu eine Berichterstattung der Friedrich-Naumann-Stiftung:

Berlin, 26.04.2012
  Illustratives Bild
In einer kurzen Eröffnung durch Frau Katrin Burkhardt, Leiterin der Allianz Repräsentanz stellte Wolfgang Gerhardt, Vorstand der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit den Redner vor und erinnerte mit dem Blick auf das Thema Freiheit daran, dass es Menschen gibt, die der Freiheit misstrauen: "Manche fürchten, dass sie anderen mehr nutzt als ihnen selbst und scheuen die Verantwortung." Umso wichtiger sei es, für die Freiheit zu werben und darauf hinzuweisen, dass sie eben nicht die Freiheit des Stärkeren gegenüber dem Schwächeren ist, sondern dass wahre Freiheit auch immer eingebettet ist in ein Gefühl der Verantwortlichkeit für seine Mitmenschen.  
Die wichtigste Voraussetzung für die Freiheit sei die Partizipation der Bürger daran, weswegen Staatsbürgerschaft mehr sei als der Besitz eines Personalausweises. "Freie gesellschaften sind ein revolutionäres Experiment", erklärte er zum Abschluss, eher der Bischof von Mainz und ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz ans rednerpult trat.
Lehmann griff als erstes die Mehrdeutigkeit des Begriffs Freiheit auf. "Es gibt zunächst einmal Freiheit im emanzipatorischen Sinn, der vor allem auf die unabhängigkeit bzw. die "Freiheit wovon" zielt. Diesem verständnis steht ein mehr konstruktiver Begriff von Freiheit als Sebstbestimmung gegegnüber. Es ist also mehr die "Freiheit wozu"." Lehmann warnte davor, Schwierigkeiten aus dem Weg zugehen, die die Freiheit behindern  oder bedrohen. Wenn äußere Hindernisse das Freisein beeinträchtigen, müsse man sich hüten, rasch auf die sogenannte "innere Freiheit" auszuweichen.
Danach ging er darauf ein, in welche Zusammenhänge Freiheit eingbunden ist. Es gebe eine Spannung zwischen dem,was der mensch erstrebt und dem, was ihm real möglich ist. "Freiheit beginnt nicht dort, wo die Notwendigkeit aufhört", im Gegenteil würden sie sich gegenseitig ergänzen. Die Voraussetzungen für jede Art von Freiheit sei die Natur. "Wir brauchen auch einen Bezug zur Natur als einer von uns unabhängigen Voraussetzung eines jeden Freiheitsgeschehens", so Lehmann. Dem Menschen bleibe ohnehin keine andere Wahl, denn „eine radikale Emanzipation von unserer Natur ist nicht möglich.“ Wer diesen Natur-Freiheit-Bezug negiere, negiere letztlich die Freiheit selbst.
Lehmann warnte auch, dass Freiheit immer in Gefahr sei, verloren zu gehen. Drei Gefährdungen führte er an. „Die Absolutsetzung der Freiheit, die Beschränkung von Freiheit und die deterministisch motivierte Leugnung der Freiheit.“ In unserer Zeit, der Zeit des internationalen Terrorismus und der damit einhergehenden Sicherheitsmaßnahmen, gelte dies besonders für das Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Sicherheit. „Die größere Sicherheit kann oft nur auf Kosten der Freiheit des einzelnen Menschen erreicht werden.“ Lehmann stellte der Freiheit die Kreatürlichkeit zur Seite. In der Moderne, unter anderem vertreten von Jean Paul Sartre, gehe man von einem allmächtigen Verständnis der Freiheit aus. Der Preis dafür sei ein Begriff von Subjektivität, der viele Bedingtheiten der menschlichen Existenz abgestreift habe. „Deshalb ist es wichtig, die Endlichkeit der menschlichen Freiheit hervorzuheben. Theologisch sprechen wir von Kreatürlichkeit“, so Lehmann.
Die Kreatürlichkeit sei verbunden mit der Natur, die der Mensch nicht abstreifen kann. „Wir können als endliche Menschen nie nur oder in absoluter Weise frei sein. Der Akt der Freiheit ist ein Vollzug, der immer schon in einem Verhältnis zur Mit- und Umwelt steht.“ Neben der Natur, die bestimmte Einschränkungen bereit halte, gelte dies ebenso für die eigene Herkunft. Dies zeige, dass der Mensch „seine Freiheit nicht nur vom schöpferischen Entwerfenkönnen her verstehen darf, sondern dass er immer auch nicht nur in der Natur, sondern auch schon in einer Geschichte steht, aus der er kommt, der Herkunft, und die er bei aller Zukünftigkeit seines Lebens mitnimmt.“
Diese Verflechtungen zu Natur und Herkunft seien jedoch keine Hindernisse, sondern notwendige Voraussetzungen für die Freiheit. „Freiheit ist nicht alleine die Eigenschaft eines individuellen Subjekts, das ausschließlich für sich bestehen und begriffen werden könnte. Ein Mensch alleine kann nicht frei sein.“

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